Familie auf Welttour – so geht reisen mit Kindern

Fernreisen mit Kind? Oder gar eine Weltreise mit der ganzen Familie? Unmöglich, viel zu kompliziert, zu gefährlich! Das würden vermutlich die meisten Eltern sagen. Bis vor einigen Jahrzehnten hätten sie sogar recht gehabt. Allerdings haben sich im Laufe der Jahre die Möglichkeiten für Familien, eine Reise zu unternehmen, ebenso entwickelt wie die Optionen im Tourismus allgemein („Deutschland reist – die Entwicklung des Flugtourismus„).

Diejenigen, die sich mit Kind und Kegel hinaus in die Welt getraut haben – sei es für wenige Wochen oder gleich ein ganzes Jahr – können das nur bestätigen. Sie behaupten sogar: Mit Kindern auf Weltreise zu gehen, war die beste Entscheidung ihres Lebens.

Was eine Reise mit Kindern so einzigartig macht

Der übliche Familienalltag ist durchzogen von Termindruck, Routinehandlungen und diversen Verpflichtungen. Auch an den arbeitsfreien Wochenenden spüren viele Eltern, dass für ein intensives und erfüllendes Zusammensein mit den Kindern nur wenig Raum bleibt. Der Kopf ist beschäftigt mit dem Stress der letzten Woche, die Gedanken kreisen womöglich bereits um Dinge, die in der nächsten Arbeitswoche erledigt werden müssen.

Entdeckung der Langsamkeit

Für Familien auf Reisen hat das Beisammensein dagegen eine ganz andere Qualität. Wer zusammen mit seinen Kindern ferne Länder entdeckt, sieht die Welt mit anderen Augen. Das Hier und Jetzt rückt in den Vordergrund und besonders jüngere Kinder genießen es, mit Mama und Papa unterwegs zu sein, egal in welchem Land sie gerade sind. Und die Eltern genießen es plötzlich, durch die Bedürfnisse der Kleinen ein wenig gebremst zu werden. Und den Leistungsdruck, der selbst im Urlaub auftreten kann, zu ignorieren: Statt eine Attraktion nach der anderen abzuklappern, ist man der Kinder wegen gehalten, es gemächlicher anzugehen. Und stellt dann fest: Wer langsamer reist, macht die intensivsten Erfahrungen.

Ohne Scheu: Kinder knüpfen Kontakte

Gleichzeitig hat das Reisen als Familie einen entscheidenden Vorteil: Kinder öffnen Türen. Asiatische Länder und Südamerika gelten als besonders kinderfreundlich. Weltreisende Familien berichten immer wieder davon, wie leicht es ist, mit Kindern im Schlepptau Kontakte mit Einheimischen zu knüpfen. Und falls man doch einmal in eine Notlage geraten sollte, ist meist sofort Hilfe zur Stelle. Familien mit Kindern erfahren besonderen Schutz und werden oft bevorzugt behandelt. Als Ausnahme wird z. B. in einem Interview mit einem Paar, das 12 Monate lang mit ihren 11 und 9 Jahre alten Kindern durch Südostasien reiste, Indien genannt, allerdings werden keine Gründe aufgeführt (Ein Jahr als Familie mit zwei Kindern durch Südostasien).

Wann Kinder im besten Alter für eine Weltreise sind

Kinder sind in der Regel unkomplizierte Mitreisende. Sind die Eltern zufrieden, sind sie es meist auch. Das gilt besonders für die ganz Kleinen.

Mit Baby auf Weltreise © dubova - Fotolia.com

Mit Baby auf Weltreise © dubova – Fotolia.com

Außer essen, schlafen und Elternliebe brauchen Babys nichts, das es nicht auch in anderen Ländern gibt. Und dank des Elterngeldes ist die Finanzierung einer großen Reise zumindest teilweise möglich.

Kinder werden offener und angstfreier

Wer möchte, dass sein Nachwuchs bleibende Erinnerungen an die Reise hat, hat am meisten Freude mit Kindern im Vorschulalter. Die Trotzphase ist meist überstanden, Entdeckerfreude und Neugier befinden sich auf dem Höhepunkt. Die Erfahrungen, welche die Kinder zu der Zeit machen, werden sie das ganze Leben lang begleiten. Eine lange Reise in diesem Alter trägt dazu bei, dass Kinder dem Leben offener, unvoreingenommener und angstfreier begegnen. Das Gleiche gilt übrigens auch für die Eltern.

Familie auf Weltreise – was man beachten sollte

Große Reisen sollten gut vorbereitet sein, große Reisen mit (kleinen) Kindern erst recht. Generell ist es zunächst ratsam, sich beim jeweiligen Auswärtigen Amt über die jeweiligen Bedingungen zu erkundigen. Wer sich früh informiert, vermeidet Stress und unliebsame Überraschungen. Wichtig wären:

  • Einreisebestimmungen und benötigte Dokumente (für Kinder gelten manchmal andere Regeln)
  • notwendige Impfungen
  • ärztliche Vorsorge vor Ort
Reiseimpfung für Kinder © Photographee.eu - Fotolia.com

Reiseimpfung für Kinder © Photographee.eu – Fotolia.com

Besonders wenn es um die Planung der Routen und Länder geht, sollte man bedenken, dass zu heiße und zu kalte Gegenden sowie Malariagebiete nicht für Babys und Kleinkinder geeignet sind. Der Organismus eines Kindes benötigt mindestens zwei Wochen, um sich an ein neues Klima anzupassen (weitere Informationen: http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=30335 ). 20 Länder in 10 Tagen bereisen zu wollen, ist auch deshalb keine gute Idee. Als Familie ist man besser beraten, gemeinsam die Langsamkeit zu entdecken sowie gelassen zu bleiben, wenn nicht alles nach Plan läuft, und auch mal eine ursprünglich geplante Sightseeingtour ausfallen zu lassen.

Die weiteren Kriterien neben Klima und gesundheitlichen Aspekten sind natürlich:

  • Sicherheit
  • Gastfreundschaft der Bewohner eines Landes
  • Verfügbarkeit und Verträglichkeit von Speisen

Vor diesem Hintergrund lässt sich feststellen, dass Neuseeland, Australien und Nordamerika sehr gut geeignet sind, aber sicher nicht zu den günstigsten Urlaubsländern zählen. Viele asiatische Länder wie Thailand oder Vietnam sind ebenfalls geeignete Destinationen und dabei wesentlich günstiger als die anglophonen Länder.

Fliegen mit Kindern – keine Angst vor Langstreckenflügen

Wer andere Kontinente entdecken will, muss, wenig überraschend, oft Flüge von zehn oder mehr Stunden in Kauf nehmen. Grundsätzlich haben Familien mit kleinen Kindern Vorrang beim Boarding. Das erspart schon mal einigen Stress.

Babys vertragen nach Expertenmeinung Flüge sehr gut. Schwieriger wird es mit Vorschulkindern, die sich Minuten nach dem Abheben zu langweilen beginnen. Das Lieblingskuscheltier und ein paar Bilderbücher sollten helfen. Erfahrene Eltern schwören auf Nachtflüge, die insgesamt ruhiger vonstatten gehen. Die meisten Kinder schlafen ein, sobald das Licht gedimmt wird. Fliegen die Kinder zum ersten Mal, ist es natürlich wichtig, vorher mit ihnen darüber zu sprechen, was sie erwartet. Das baut Ängste ab und weckt die Vorfreude. Der Nachwuchs orientiert sich ohnehin daran, wie Mama und Papa sich verhalten. Je entspannter die Eltern sind, desto entspannter kann das Kind sein.

Die meisten Fluganbieter sind gut auf Kinder eingestellt und stellen Babybrei, Kindernahrung und Spielsachen kostenlos zur Verfügung. Das gilt allerdings nicht für Billig-Airlines. Hier lohnt es sich, besonders auf versteckte Kosten zu achten. Wo sonst Kinder bis zu zwei Jahren gratis mitfliegen, verlangen andere Gesellschaften einen erheblichen Teil des Erwachsenen-Flugpreises. Das gilt übrigens auch für das Gepäck. Gerade wenn man mit Kindern unterwegs ist, lohnt es sich, vermeintlich günstige Flugpreise genau zu studieren.

Mut zur Weltreise mit Kindern

Allzu verrückt sollte man sich jedenfalls nicht machen. Wer gut voraus plant, wird eine schöne Zeit mit der Familie haben. Und ist man erst mal auf Tour, handelt man meist instinktiv richtig und bekommt schnell ein Gespür für die Bedürfnisse der einzelnen Familienmitglieder.

Kategorie des Beitrags: Flugtourismus, Veröffentlicht von: Redaktion Fluggastberatung