Fliegen mit Rollstuhl – das sollten Sie beachten

Für Rollstuhlfahrer ist das Verreisen mit dem Flugzeug sehr gut möglich. Damit die Fluggesellschaft den für Sie vorgesehenen Service-Prozess, der Fragen Ihres Komforts und gegebenenfalls eine Betreuung durch das Personal umfasst, bestmöglich organisieren kann, sollten Sie bereits bei der Buchung des Tickets Ihren Bedarf anmelden. Diese Leistungen sind Ihr Recht und seitens der Airline kostenlos zu erbringen, wie Sie auch auf der offiziellen EU-Website nachlesen können. In unserem Beitrag „Fliegen mit Rollstuhl“ erfahren Sie nun alles, was Sie beachten müssen, wenn Sie im Rollstuhl sitzen und verreisen möchten.

Für eine besonders kurze und stressfreie Anfahrt zum Abflugterminal empfehlen wir Fluggästen mit Rollstuhl, die Nacht vor dem Abflug im Airport Hotel zu verbringen. Dadurch können Sie, ausgeschlafen und gestärkt durch ein Frühstück, frühzeitig einchecken und die Bestellung Ihrer Serviceleistungen ggf. noch einmal prüfen.

Flughafenhotel, Parken und Fliegen

Als Rollstuhlfahrer einen Flug buchen

Auf den Rollstuhl angewiesene Fluggäste sollten gleich bei der Ticketbuchung die Art ihrer Mobilitätseinschränkung sowie das Mitführen des Rollstuhls angeben. Airlines wie die Lufthansa stellen dazu auf ihrer Website ein Formblatt oder eine Maske zum Ausfüllen und Absenden bereit.

Folgende Codes werden international verbindlich genutzt, um Fluggästen mit Behinderungen den optimalen Service zu bieten – kreuzen Sie im entsprechenden Formular die auf Sie zutreffenden Punkte an:

  • STCR (Stretcher)

Der Fluggast muss liegend transportiert werden.

  • WCHC (Wheel Chair Cabin Seat)

Gehunfähiger Fluggast, kann einen Fluggastsitz mit aufgestellter Rückenlehne benutzen, ist aber unfähig, Distanzen allein zu überwinden, z.B. in der Fluggastkabine zum/vom Sitz und zu den Toiletten.

  • WCHS (Wheel Chair Steps)

Stark gehbehinderter Fluggast, nur noch eingeschränkt gehfähig, kann Vorfeldbus nicht benutzen, kann Treppen nicht allein überwinden, benötigt jedoch keine fremde Hilfe in der Fluggastkabine.

  • WCHR (Wheel Chair Ramp)

Gehbehinderter Fluggast, benötigt Hilfe im Flughafengebäude zum/vom Gate oder Ausgang, benötigt nach dem Ein- und Aussteigen einen Rollstuhl oder ähnliche Hilfe, kann ohne Hilfe einen Vorfeldbus benutzen, kann Treppen selbst überwinden, benötigt keine fremde Hilfe in der Fluggastkabine zum/vom Sitz und zu den Toiletten.

Für den Transport privater Rollstühle dürfen Airlines keine Zusatzkosten in Rechnung stellen. Die Fluggesellschaft wird aber normalerweise darauf bestehen, dass private Rollstühle als Sperrgepäck im Frachtraum der Maschine befördert werden und der Passagier, sofern er sich an Bord – beispielsweise zum Aufsuchen des WCs – bewegen muss, einen speziellen Bordrollstuhl nutzt.

Typische Serviceleistungen für Fluggäste im Rollstuhl

Nachdem Sie Ihre Mobilitätseinschränkung angegeben haben, sollten der Fluggesellschaft so bald wie möglich auch die entsprechenden Betreuungswünsche am Boden und an Bord übermittelt werden. Beachten Sie jedoch bitte, dass Fluggesellschaften den Umfang ihres Service und die damit verbundenen Anmeldefristen individuell festlegen.

Beispiele für Serviceleistungen ausgewählter Airlines für Flugpassagiere mit Rollstuhl:

Lufthansa:

  • Bereitstellen eines Bordrollstuhls (Anmeldung bis 48 Stunden vor Abflug)
  • Bevorzugtes Einsteigen (Pre-Boarding) an den meisten Flughäfen
  • Unterstützung beim Ein- und Aussteigen, beim Verstauen des Handgepäcks sowie auf dem Weg zur oder von der Toilette
  • Barrierefreie Toiletten auf Langstrecken

Weitere Informationen von Lufthansa

Condor:

  • Bereitstellen eines Bordrollstuhls (Anmeldung bis spätestens 8 Stunden vor Abflug)
  • Bevorzugtes Einsteigen (Pre-Boarding) an den meisten Flughäfen
  • Unterstützung auf dem Weg zur oder von der Toilette

Weitere Informationen von Condor

Auch wenn der mobilitätseingeschränkte Fluggast ein Spezialmenü bestellen oder einen Begleit- bzw. Assistenzhund mitnehmen möchte, sollte er dies nun angeben.

Den Rollstuhl als Gepäck im Flugzeug mitnehmen

Die meisten Fluggesellschaften befördern private Rollstühle aus Platzgründen nicht in der Passagierkabine, sondern im Frachtraum. Es empfiehlt sich, den Rollstuhl bereits beim Check-in als Sperrgepäck aufzugeben, sofern Sie die Distanz vom Schalter bis zum Gate, inklusive der Sicherheitskontrolle, zu Fuß bewältigen können.
Ist letzteres nicht der Fall, sollte das Bodenpersonal der Fluggesellschaft rechtzeitig darüber informiert werden, dass Sie Ihren eigenen Rollstuhl bis zum Gate nutzen wollen. Dort angekommen, erhalten Sie spätestens beim Boarding einen Ersatz- bzw. Bordrollstuhl, während Ihr privater Rollstuhl in den Bauch der Maschine verladen wird.

Spezialfall Elektrorollstuhl: Elektrische Rollstühle mit Trockenbatterie werden befördert, wenn die Kabelanschlüsse von der Batterie abgeklemmt sind, die Batteriepole isoliert wurden und die Batterie fest auf dem Rollstuhl montiert ist.
Elektrorollstühle mit nicht auslaufsicherer Nassbatterie werden aus Sicherheitsgründen nicht befördert.
Bei einer Anfrage für den Transport von Elektrorollstühlen wird empfohlen, im Voraus die Maße und das Gewicht anzugeben.

Passagiere, die ihren Rollstuhl sofort nach der Landung bzw. nach dem Ausstieg aus dem Flugzeug ausgehändigt bekommen wollen, sollten dies ebenfalls zuvor am Check-in angegeben haben. Andernfalls müssen sie am Kofferband auf die Ausgabe des Rollstuhls warten. Für diesen Zeitraum stellen Airlines aber ebenfalls einen Ersatzrollstuhl zur Verfügung.

Einen interessanten Einblick in die Flugreise mit Rollstuhl bietet u. a. der YouTube-Kanal von barrierefrei1.

 

 

Fluggasteigene Rollstühle werden kostenfrei befördert und nicht auf das Freigepäck angerechnet. Bei Anfragen für den Transport eines Rollstuhls teilen Sie uns bitte die Maße, das Gewicht und die Art d…“/>

Fliegen mit Rollstuhl – So kommen Sie durch die Sicherheitskontrolle

Die Metalldetektorbögen, die an Flughäfen bei der Sicherheitskontrolle zum Einsatz kommen, werden zur Überprüfung rollstuhlfahrender Fluggästen nicht genutzt. Zum einen sind sie in der Regel nicht breit genug, um von einem Rollstuhl durchfahren zu werden; zum anderen würden sie in diesem Fall auch stets Alarm schlagen, da sich an handelsüblichen Rollstühlen Teile aus Metall befinden.
Das Sicherheitspersonal wird Sie stattdessen samt Rollstuhl über eine Handsonde oder durch Abtasten auf das Mitführen von gefährlichen Gegenständen oder Substanzen hin kontrollieren.

Mit dem Rollstuhl auf die Flugzeugtoilette

Von Airline zu Airline variiert der Grad der Barrierefreiheit an Bord. In den Maschinen großer, internationaler (v. a. US-amerikanischer) Fluggesellschaften, und hier besonders auf Langstrecken, sind behindertengerechte Toiletten am ehesten vorzufinden. Bei den deutschen Airlines ist die Flotte der Lufthansa in diesem Zusammenhang positiv hervorzuheben.

Falls Sie während des Fluges die Toilette aufsuchen müssen, kommt der Bordrollstuhl zum Einsatz: Dessen Maße sind nämlich so genormt, dass er durch die engen Gänge im Flieger passt. In der Regel wird Ihnen ein Mitglied des Kabinenpersonals dabei behilflich sein.
Berücksichtigen Sie bitte, dass Flugbegleiter Sie nur bis zum WC schieben und Ihnen nicht beim eigentlichen Toilettengang assistieren dürfen. Es wird das Reisen mit einer Begleitperson dringend empfohlen, falls Sie hierbei Unterstützung benötigen.

Tipp: Sollten einem behinderten Fluggast wider Erwarten Hilfeleistungen verwehrt oder nicht in dem Umfang gewährt werden, wie es ihm zusteht, kann eine Beschwerde an das Luftfahrtbundesamt gerichtet werden. Dieses hält zu diesem Zweck ein entsprechendes Formular im Internet bereit.

Der Rollstuhl ist nach dem Flug beschädigt – was tun?

Der Flieger ist gelandet und Sie haben Ihren privaten Rollstuhl wieder in Empfang genommen – doch leider ist an diesem nun ein Schaden, beispielsweise eine Verbiegung einzelner Teile, feststellbar. Jetzt ist es wichtig, diese Beschädigung sofort zu melden, am besten noch am Flughafen beim Gepäckschalter (über Einzelheiten informiert der Abschnitt „Das richtige Vorgehen bei Gepäckbeschädigung“ des Beitrags „Gepäck weg oder beschädigt – was tun?“ in unserem Flugreisemagazin).

Da Fluggesellschaften in den meisten Fällen zwar eine Schadensersatzpauschale von bis zu 1 200 Euro zahlen – der Schaden am Rollstuhl jedoch häufig darüber liegt – empfiehlt sich der Abschluss einer Reisegepäckversicherung.

Der Vielfliegerausweis (FREMEC-Card) für Rollstuhlfahrer

Um die Anmeldung und die Abfertigung mobilitätseingeschränkter Fluggäste so problemlos wie möglich zu gestalten, hat die Lufthansa in Zusammenarbeit mit anderen Fluggesellschaften die sogenannte FREMEC-Card (Frequent Traveller’s Medical Card) entwickelt.
In diesem Ausweis ist konkret festgehalten, welche Art der Betreuung der jeweilige Passagier am Boden und an Bord in Anspruch nimmt. Das Mitführen dieser Karte ist insbesondere für vielfliegende behinderte Personen von Vorteil – sie sparen unter Umständen eine Menge Zeit und Energie, da das Airlinepersonal die nötigen Daten auf einen Blick erfassen und den Service schnellstmöglich organisieren kann.

Auf den Seiten der Lufthansa finden Sie zur Beantragung der Karte detaillierte Informationen.

Für Rollstuhlfahrer, aber auch für Begleitpersonen, ist es sehr angenehm, am Tag vor der Flugreise im Flughafenhotel einzuchecken. Dadurch steigern Sie die Wahrscheinlichkeit, pünktlich am Schalter des Abflugterminals zu sein und bzgl. der von Ihnen in Auftrag gegebenen Serviceleistungen noch einmal nachzuhaken – um dann ganz entspannt Ihren Flug antreten zu können.

Hotel am Flughafen

Quellen und weitere Informationen:

Myhandicap.deWissenswertes für Flugreisen

Rolli-Flugreisen.deReiseberichte und Informationen, die dort weitermachen, wo der Reisekatalog aufhört

Roll the planetÜber das Reisen im Rollstuhl

Mit dem Rollstuhl in die USAein Erfahrungsbericht

Kategorie des Beitrags: Flugplanung, Veröffentlicht von: Redaktion Fluggastberatung