Interview mit einer Flugbegleiterin

– Anne Struck von UFO e.V. über den schwierigen Beruf des Bordpersonals

Im Jahre 1927 trat ein Steward an Bord einer Maschine der heutigen British Airways den ersten Dienst als Flugbegleiter an. Das Flugbegleiter-Konzept beruhte anfangs auf der Annahme, die Anwesenheit der Stewards und die Betreuung der Passagiere mindere die Flugangst. Das führte in der Konsequenz zum Entstehen eines neuen Berufszweiges.

Lange Zeit war die Arbeit als Flugbegleiterin oder Flugbegleiter ein ausgesprochen beliebter Beruf, nicht zuletzt wegen der Traumvorstellung, um die Welt reisen zu können. Heutzutage hat diese Tätigkeit, einst mit Glamour und Ansehen verbunden, etwas an Glanz verloren: Es wird viel verlangt und gering entlohnt.
Die Rechtevertretung der Flugbegleiter wird seit 1992 durch UFO e.V. wahrgenommen. UFO steht für die „Unabhängige Flugbegleiter Organisation – die Gewerkschaft des Kabinenpersonals“. Sie wurde im Hause der Deutschen Lufthansa gegründet, um die Probleme und schwierigen Arbeitsbedingungen der Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter aufzuzeigen und für deren Interessen einzutreten.

Wir sprachen mit Anne Struck, die im Vorstand des UFO e.V. (www.ufo-online.aero) für den Bereich Berufspolitik verantwortlich ist. Anne Struck, geboren 1962, absolvierte ein Lehramtsstudium, entschied sich jedoch aufgrund der besseren beruflichen Perspektiven, Flugbegleiterin zu werden. Seit 1986 ist sie Flugbegleiterin bei Lufthansa CityLine mit der Sonderfunktion SFA (Supervision Flight Attendant). Seit 15 Jahren setzt sie sich aktiv für die Flugbegleiterrechte ein.

Erzählen Sie uns, wie Sie zum Beruf Flugbegleiterin gekommen sind und wie Ihre Erfahrungen waren.

Ich habe eigentlich Lehramt studiert. Zum Ende meines Lehramtsstudiums hatte ich die Gewissheit, arbeitslos zu werden und deshalb nach beruflichen Alternativen gesucht. Durch einen Zufall – ein enger Freund flog damals als Flugbegleiter bei der LTU und nahm mich mit in Urlaub nach Sri Lanka und auf die Malediven (für mich das erste Mal Langstrecke) – hatte ich Blut geleckt und mich dann auch gleich erfolgreich beworben. Das Ganze ist mittlerweile beinahe 30 Jahre her.

Die Stewardessen galten zu Beginn des Flugtourismus als Aushängeschild der Airlines: attraktive Werbefiguren in schicken Uniformen. Heute wirkt der Beruf nicht mehr so attraktiv. Wie und warum hat der Beruf eine Abwertung erfahren, was sind die Gründe?

Mit der zunehmenden Nachfrage an Flügen, damit einhergehend natürlich auch den zunehmenden Angeboten, wurden viele neue Airlines gegründet. Zudem forderten schnelle Expansionen die Airlines, Flugbegleiter in Massen einzustellen. Das dabei insgesamt die Qualität von Flugreisen leidet, ist absehbar gewesen. Die Frequenzen zu den Destinationen wurden ebenfalls deutlich erhöht, sodass Stopps für die Crews auf ein Minimum beschränkt wurden. Für Crews sind vier bis fünf Flüge täglich, fünfmal die Woche sowie auf kontinentalen Strecken heute keine Ausnahme mehr. Bei Langstreckenflügen bleibt vielen Crews oft nur noch ein sogenanntes „minimum rest“, was bedeutet, dass man allenfalls 1 ½ Tage Pause vor Ort hat.

Als Reisender freut man sich ja über die Flugbegleiterin, die einem immer hilft und das Essen reicht. Aber was sind die Härten des Berufes im Arbeitsalltag (die man als Reisender nicht wahrnimmt), und welche Rolle spielen Fluggesellschaften dabei: Könnten sie Rahmenbedingungen schaffen, die die „natürlichen“ Härten abfedern könnten?

Der Beruf des Flugbegleiters ist eine tägliche Herausforderung. Als Flugbegleiter ist man Gastgeber, Entertainer, Restaurantfachmann, Krankenschwester, Psychologe, Kindergärtner und Sicherheitsexperte in einem. Schichtdienst, Zeitzonen und Klimawechsel erschweren das Arbeiten. Hinzu kommen die Enge der Flugzeugkabine, die sauerstoffarme Luft, die ständigen Druckunterschiede, der Lärm, Geruchsbelästigung und inkonstante Temperaturen durch schlechte Klimatisierung an Bord. Die unterschiedlichen Bedürfnisse unserer Gäste zu befriedigen, die zum Teil viel Fingerspitzengefühl erfordern, sind ebenfalls nicht zu unterschätzen.
Durch stabile Dienstpläne und damit planbare Freizeit könnten Airlines Härten abfedern. Auch längere Ruhephasen, damit sich Crews ordentlich regenerieren können, sind notwendig.

Welche Erleichterungen würden sich Flugbegleiterinnen wünschen (neben einem adäquaten Gehalt, versteht sich)?

Wie zuvor schon erwähnt, ist es ein großer Wunsch, durch weniger Dienstplanänderungen mehr Stabilität zu schaffen. Ebenfalls erleichternd wäre es, wenn man mit sogenannten Request-Systemen ein wenig Einfluss auf seine Dienstplangestaltung nehmen könnte.

Auch gute Hotels, in denen man Ruhe findet, die zugleich aber an an Infrastruktur angebunden sind, wären notwendig. Die Airlines neigen dazu, gerne Flughafenhotels auszuwählen, da hier unter anderem Transportkosten gespart werden können. Selbstverständlich muss auch ein adäquates Gehalt bezahlt werden, damit man in hochpreisigen Städten wie München oder Frankfurt ein Auskommen hat, und nicht noch einen Zweitjob annehmen muss.

Wie wird man Flugbegleiterin? Wenn Sie jetzt Berufsberatung anbieten würden – welche Eigenschaften würden Sie nennen, die man in dem Job haben muss?

Man bewirbt sich bei einer Airline. In der Regel geht das zunächst online. Dann folgt ein Telefoninterview und der nächste Schritt ist die Einladung zu einem Assessment. Man sollte sich auf der Homepage der Airline zuvor über die Einstellungsvoraussetzungen informiert haben. Abitur oder eine abgeschlossenen Berufsausbildung sind in den meisten Fällen Voraussetzung.

Mitbringen sollte man eine gute soziale Kompetenz, Dienstleistungsbereitschaft, große Flexibilität, eine hohe Motivation und vor allem Belastbarkeit, gute Englischkenntnisse, eventuell noch andere Sprachkenntnisse und Lust am Reisen.

Wir bedanken uns sehr herzlich für das Interview, Frau Struck.

Lesetipps:
Eine weiterführende Ethonologische Sicht auf das Reisen und Wandern der Menschen hat Herr Hahn auch in dieser Ausgabe des Wissenschaftsmagazings Forschung Frankfurt 2/2013 gegeben: „Immer im Aufbruch: Die Menschheit unterwegs“

 

Kategorie des Beitrags: Flugtourismus, Veröffentlicht von: Redaktion Fluggastberatung