Planespotting – die etwas andere Sammelleidenschaft

Schon mal etwas von Planespotting gehört? Planespotting bedeutet, Flugzeuge beim Start und bei der Landung in der Nähe von Flughäfen zu beobachten und Fotos zu machen. Flugzeuge beim Sonnenuntergang, die mächtigen Aluminium-Giganten von unten – das sind die fotografischen Werke der sogenannten „Planespotter“. Schätzungen zufolge gibt es in Deutschland mehr als 2.000, zumeist Männer. Stundenlang harren sie an Flughäfen aus, um Flugzeuge zu bestaunen und zu fotografieren. Die Fotos werden anschließend in digitale Datenbanken hochgeladen und „gesammelt“.

Flugzeug beim Sonnenuntergang © FreeImages

Flugzeug beim Sonnenuntergang © FreeImages

Wir möchten Ihnen heute einmal erzählen, was hinter diesem Hobby steckt und dies aus der Sicht eines Planespotters zu beleuchten.

Ich beim Planespotting: Worauf es ankommt

Planespotter verwenden starke Teleobjektive und sind stets auf der Suche nach günstigen Lichtverhältnissen für unsere Aufnahmen. Einige Flughäfen verfügen über Aussichtsplattformen, die sich wunderbar eignen. Aber auch Hügel oder bestimmte Stellen mit einer guten Sicht sind möglich. Ein erfahrener Spotter führt natürlich eine Leiter mit sich, damit er seine Kamera über den oft hohen Zaun halten kann.

Um einen Flieger bei der Landung oder beim Start gut ablichten zu können, ist es wichtig, im Vorfeld über dessen Flugbewegungen informiert zu sein. Ich höre hierfür oft den Funkverkehr zwischen Tower und Piloten mit. Zu jedem Foto notiere ich mir:

  • Kennnummer
  • Typ der Maschine
  • Lande- oder Startdaten
  • Fluggesellschaft
  • Flugzeugtyp und Lackierung

Letztere sind die wichtigsten Informationen, sollten die Gesellschaft, die Registriernummer und die Seriennummer des Flugzeuges nicht erkennbar sein.

Begehrte Fotomotive sind generell seltene Flugzeugtypen und Bemalungen. Alte russische Flieger wie „Antonovs“ oder die Boeing 727, die nicht mehr häufig zu sehen sein werden, sind besonders beliebte Modelle. Aber auch der Airbus A360 oder Flugzeuge mit auffälligen Einzellackierungen wie bei den Maschinen der australischen Fluglinie Quantas sind sehr gefragt.

Familie mit Sammelleidenschaft

Die einen sammeln Briefmarken, die anderen Handtaschen – Planespotter sammeln die selbstgeschossenen Bilder. Das ist aber längst nicht alles. Ich gehöre zu den Spottern, die zudem für ihr Leben gern reisen! Schon oft brachte mich mein treuer PKW an die entlegensten Plätze. Wenn ich weiß, dass ich ein bestimmtes Flugzeug an einem bestimmten Flughafen vor die Kamera bekomme, mache ich mich sofort auf den Weg. Es klingt verrückt? Wir Planespotter sind eben eine richtige kleine Familie. Bei jedem „Shooting“ lerne ich neue Menschen kennen, Gleichgesinnte, die mein Hobby teilen. Damit wir uns nicht aus den Augen verlieren, halten wir anschließend über das Internet weiterhin Kontakt.

Was einen zum Planespotting bewegt?

Nun, das sogenannte Spotting (aus dem Englischen ‚to spot‘ für ausmachen, beobachten, orten, erkennen, lokalisieren) bedeutet: Beobachten von Objekten oder Phänomenen. Wer auf Reisen geht, beobachtet vermutlich viele verschiedene Sehenswürdigkeiten, Landschaften sowie Kulturen und hält die Eindrücke auf Bildern fest. Wir Planespotter versuchen wiederum, so viele verschiedene Flugzeuge wie möglich auf Bildern zu verewigen. So groß ist der Unterschied zum gewöhnlichen Fotoschießen also gar nicht. Wobei die jeweils startende oder landende Maschine zugegebenermaßen eine besondere Herausforderung darstellt.

Das richtige Motiv

Ähnlich wie bei einer Briefmarkensammlung ist ein Planespotter bestrebt, seine Flugzeug-Bildersammlung zu vervollständigen. Mit Stift, Papier, iPad oder Laptop sowie einer Liste mit sämtlichen Flugzeugen einer Flotte bewaffnet, begibt er sich auf Motivsuche. Hat er einen Treffer gelandet, wird das Objekt auf der Liste angekreuzt.

Zwar ist die Planespotter-Szene – ja, als solche kann man sie durchaus bezeichnen – verhältnismäßig klein. Das Hobby an sich ist jedoch schon zu Kriegszeiten entstanden. Damals wurde der Flugverkehr besonders genau beobachtet und einzelne Maschinen notiert. Bis heute gibt es Spotter, die einzig mit einem Notizblock und einem Fernglas in der Hand die Flugbewegungen beobachten und schriftlich festhalten.

Beliebte Flughäfen der Planespotter

In der Planespotter-Szene gibt es natürlich auch Flughäfen, die besonders gern und oft besucht werden. In Deutschland zählen hierzu die Flughäfen Hamburg, München, Düsseldorf und Frankfurt am Main. Dort finden beispielsweise zahlreiche Flugbewegungen statt. Es kann aber auch sein, dass sich viele neue Modelle beobachten lassen, weil Flugzeugwerften angeschlossen sind.

Außerhalb von Deutschland gilt der Flughafen Schiphol in Amsterdam als optimaler Ort für Planespotting, weil es hier nur wenige Zäune gibt, die die Sicht versperren. Aviatik-Begeisterte (Aviatik = Flugzeughersteller) finden aber auch in der Karibik auf Saint Martin einen perfekten Flughafen – „Princess Juliana“. Hier gibt eine Jumbomaschine der nächsten quasi die Klinke in die Hand. Zudem fliegen sie dicht über einen traumhaften Sandstrand hinweg auf die Landebahn.

Kein Planespotting über militärischem Gelände

An militärischen Anlagen sind wir keine gern gesehenen Gäste. Schnell wird man als Spion hingestellt und kann Probleme mit dem Sicherheitspersonal bekommen. Auch in den USA werden Planespotter seit den Terroranschlägen im Jahr 2001 als Risiko betrachtet. Selbst einige Flughäfen haben sogar aus diesem Grund ein generelles Fotografierverbot verhängt. An verschiedenen französischen Flughäfen, zum Beispiel am Pariser „Charles de Gaulle“ darf ich wiederum nur fotografieren, wenn ich meinen Planespotter-Ausweis vorlege. Auch wurden an einigen Flughäfen, etwa in Basel, aus Sicherheitsgründen sämtliche Besucherterrassen geschlossen. Planespotting war in Frankfurt ebenfalls einige Zeit lang nicht mehr möglich. Die Besucherterrasse am Flughafen ist mittlerweile jedoch wieder geöffnet.

Ein Hobby, das verbindet

Planespotting mit der ganzen Familie © FreeImages

Planespotting mit der ganzen Familie © FreeImages

Planespotter kennen nicht selten mehr Flugzeugarten als manche Piloten und sind für einen regen Austausch weltweit vernetzt. Es sind moderne Jäger und Sammler, die aus Deutschland, Dänemark, den Niederlanden, eigentlich aus der ganzen Welt kommen und die verschiedensten Flughäfen besuchen. Sie lassen sich von der Arbeit oder der Schule frei stellen, nehmen Urlaub oder machen blau. Und all das, um das perfekte Foto von einem Flugzeug zu bekommen. Ganze Familien positionieren sich vor den Zäunen an den Flughäfen. Die Tradition und die Freude am Planespotting, so war es auch bei mir, wird damit auch an den Nachwuchs weitergegeben. Ein verbindendes Hobby eben.

 

Kategorie des Beitrags: Flugtourismus, Veröffentlicht von: Redaktion Fluggastberatung