Das Phänomen Flugangst – was tun? Ursachen, Tipps und Tricks

Außer Steven Spielberg, dem Dalai Lama und Til Schweiger kennt es insgesamt ein Drittel aller Flugpassagiere: Schon beim Gedanken an die kommende Flugreise klopft das Herz. Auf der Gangway möchte man die Reise am liebsten canceln und sobald die Maschine auf die Startbahn rollt, hat man nur noch einen Gedanken: Raus hier!

Die Angst vorm Fliegen äußert sich durch Herzrasen, Übelkeit, Platzangst und Panikattacken. Wie und warum Flugangst auftritt, kann verschiedene Gründe haben – mit diesen Tipps und Tricks lassen sich die Ursachen der offiziell als „Aviophobie“ bezeichneten Angst bekämpfen.

Was ist Flugangst?

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„Flugangst“ bezeichnet ein breit gefächertes Phänomen: Sie kann beim ersten Flug oder erst nach zahlreichen entspannten Reisen auftreten und die Symptome reichen von leichtem Unwohlsein bis hin zu Zittern und Nervenzusammenbrüchen; manchmal wird sie durch Turbulenzen ausgelöst, manchmal überfällt den Passagier eine anscheinend grundlose Angst. Eines haben alle Formen der Flugangst gemeinsam: Sie sind instinktive Reaktionen, die sich durch Vernunft und rationale Argumentation nicht einfach ausschalten lassen.

Fliegen mit Flugangst: 10 praktische Tipps

Um Flugreisen grundsätzlich so stressfrei wie möglich zu gestalten, lassen sich verschiedene Faktoren bereits im Vorfeld positiv beeinflussen:

1. Hektik und Stress vermeiden: Wer seine Reise ausgeschlafen, gut vorbereitet (wertvolle Tipps zur Vorbereitung finden sich in unserem Beitrag „Eine Checkliste für die Flugreise hilft, entspannt zu bleiben“) und ohne Zeitdruck bei Check-in und Sicherheitskontrolle antritt, für den sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass sich das flaue Gefühl im Magen durch den zusätzlichen Stress während des Fluges in Panik verwandelt.

2. Flüge am frühen Morgen oder in der Nacht vermeiden: Eine Störung des Tag- und Nachtrhythmus’ kann, wie übrigens auch Unterzuckerung, dazu führen, dass das Paniksystem schneller aktiviert wird.

3. Für Ablenkung sorgen: Gespräche mit (vertrauten) Mitreisenden helfen, die Nerven zu beruhigen. Auch Filme, Musik und (Hör-) Bücher können die Aufmerksamkeit fesseln. Das gilt nicht nur für den Flug selbst, sondern auch schon für den vorherigen Aufenthalt auf dem Flughafen.

4. Den Flughafen kennenlernen: Angenehme Besuche, bei denen etwas gegessen oder eingekauft oder die Besucherterrasse besichtigt wird, können die panische Angst beim tatsächlichen Flugtermin durch gute Erinnerungen besänftigen.

5. Einen Platz in der Business oder First Class buchen: Hier hat jeder Passagier mehr Platz zur Verfügung; außerdem herrscht mehr Ruhe. Beides kann deutlich zur Entspannung beitragen – das rechtfertigt den erhöhten Ticketpreis, wenn man bereits weiß, dass die Flugangst ein ständiger Begleiter ist.

6. Flugbegleiter informieren: Entgegen mancher Annahmen können Stewardessen und Stewards keine Beruhigungsmittel verabreichen. Doch wenn die Mitarbeiter der Fluglinie schon vor dem Start Bescheid wissen, werden sie sich besonders aufmerksam und geduldig um ängstliche Passagiere kümmern.

7. Den Körper entspannen: Wer gemütlich sitzt und sich körperlich mit progressiver Muskelentspannung oder autogenem Training zusätzlich beruhigt, ist auch für Angst weniger empfänglich.

8. Die verengte Sichtweise erweitern: Durch die achtsame Wahrnehmung der Umgebung wird die Konzentration auf die Panik vermindert. Welche Gegenstände sind im Flugzeug zu sehen? Wie viele Mitreisende tragen die Farbe Grün? Wie viele Frauen reisen mit?

9. Das Ziel visualisieren: Was erwartet Sie am Reiseziel? Was werden Sie als Erstes sehen, tun, essen? Worauf freuen Sie sich am meisten?

10. Beruhigungsmittel (informieren Sie sich dazu bitte auch in unserem Beitrag „Darf man Medikamente ins Flugzeug mitnehmen?“) nur in Ausnahmefällen einsetzen: Tranquilizer wirken in der Luft oft anders als am Boden – hier ist mindestens eine Absprache mit dem Hausarzt nötig. Außerdem tragen Beruhigungsmittel bestenfalls zu einer kurzfristigen Dämpfung der Angst, nicht aber zu ihrer tatsächlichen Beseitigung bei.

Panikattacken – Was bedeutet Panik überhaupt?

Panik ist eine Reaktion des Körpers, die durch ein psychisches Vorwarnsystem angesichts einer vermeintlich bedrohlichen Situation ausgelöst wird. Dabei verengt sich die Wahrnehmung auf die angenommene Bedrohung, andere Reize werden ausgeblendet. Dieser Flucht- bzw. Kampfreflex tritt nicht nur in der Luft auf – im Flugzeug kann sich die Panik jedoch weiter steigern, weil anders als im Bus oder Auto kein Anhalten und Aussteigen möglich ist.

Die Angst ums Überleben scheint hier konkret: Etwa die Hälfte der Aviophobiker befürchtet bei einer Panikattacke einen Absturz. Weitere 18% haben Angst vor Turbulenzen und 9% reagieren auf das Gefühl von Kontrollverlust und Ausgeliefertsein mit Panik. Berichte über reale Abstürze und Filme, in denen Flugzeugunglücke eine Rolle spielen, können diese Angst zusätzlich befeuern.

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Ein von Gemma Correll (@gemmacorrell) gepostetes Foto am

Was tun bei Panik im Flugzeug?

Viele Aviophobiker versuchen sich vor oder während des Fluges mit Alkohol zu beruhigen – dies kann das Gefühl des Kontrollverlusts jedoch noch zusätzlich verstärken und ist deshalb keine gute Idee. Am besten ist, Sie verzichten ebenso auf Kaffee und ähnliche „Wachmacher“, denn die durch den Konsum erzeugte Nervosität kann sich zur Flugangst steigern.

Viele Aviophobiker versuchen sich vor oder während des Fluges mit Alkohol zu beruhigen – dies kann das Gefühl des Kontrollverlusts jedoch noch zusätzlich verstärken und ist deshalb keine gute Idee. Am besten ist, Sie verzichten ebenso auf Kaffee und ähnliche „Wachmacher“, denn die durch den Konsum erzeugte Nervosität kann sich zur Flugangst steigern.

In akuten Fällen können neben den oben genannten Tipps folgende Tricks helfen:

  • Schauen Sie nicht aus dem Fenster
  • Atmen Sie bewusst ein und aus; bei Hyperventilation nehmen Sie eine kleine Tüte, in die Sie mit fast geschlossenen Lippen atmen
  • Sitzen Sie gerade und stemmen Sie die Beine fest auf den Boden der Maschine
  • Machen Sie sich bewusst, dass Panikattacken in der Regel nach einer halben Stunde enden und an sich nicht gefährlich sind

Was ist Platzangst?

Oft ist Flugangst eng verbunden mit Klaustrophobie, bei der Betroffene eine massive Angst vor Menschenmengen und räumlicher Enge haben. Jeder, der schon einmal geflogen ist, kennt die röhrenförmige Bauweise der Flugzeuge und weiß, dass man sich nach langem Sitzen in den beengten Sitzreihen darauf freut, endlich wieder die Beine auszustrecken. Bei Platzangst verwandeln sich diese lediglich unbequemen Gegebenheiten in eine bedrohliche Umgebung: Die Luft scheint knapp zu werden, man fühlt sich eingesperrt und der Druck im Brustkorb steigt.

Was tun bei Platzangst im Flugzeug?

Vorab empfiehlt es sich, je nach eigener Erfahrung

  • einen Platz am Gang (für schnelles Aufstehen),
  • am Fenster (zum in die Ferne sehen)
  • am Notausstieg (für maximale Beinfreiheit)

zu buchen. Die erste Sitzreihe vor der Wand sollte vermieden werden. In akuten Fällen können folgende Methoden helfen:

  • lockere und luftige Kleidung tragen bzw. Engsitzendes lockern
  • Belüftung einschalten und bewusst atmen
  • Flugbegleiter um einen anderen Sitzplatz bitten, der weniger beengend erscheint

Außerdem kann es helfen, sich für eine Weile in der Bordküche aufzuhalten oder – so unlogisch es auf den ersten Blick scheint – die Toilette aufzusuchen: Auch wenn dieser Raum noch kleiner ist als das Flugzeug, kann es hilfreich sein zu wissen, dass man den Raum eigenmächtig öffnen und „erweitern“ kann.

Fliegen ohne Angst: Flugangst überwinden

Eine professionelle Beratung kann Ihnen dabei helfen, entspanntes Reisen im nachweislich sichersten Transportmittel wieder möglich zu machen. Viele Fluglinien und Flughäfen arbeiten dafür mit Psychologen zusammen, die mit viel Erfahrung und einer professionellen Ausbildung darauf spezialisiert sind, Aviophobikern die Angst zu nehmen. Die Unterstützung durch die Profis kann dabei unterschiedlich aussehen.

Zum einen gibt es in den großen Flughäfen Flugangst-Ambulanzen, um Passagiere kurzfristig vor dem Antritt eines geplanten Fluges zu beraten: Hier lassen sich passend zum Flugtermin entsprechende Termine buchen. Für längerfristige Abhilfe und schwere Fälle sind ein- bis mehrtägige Flugseminare geeignet. Hier werden Ursachen erörtert und Strategien für den Umgang mit Flugangst erarbeitet.

Zu den möglichen Inhalten beider Beratungsformen gehört

  • aufkommende Angst erkennen und einen bewussten Umgang mit ihr entwickeln
  • Einüben von Verhaltensweisen, um diese Angst zu kontrollieren
  • Entspannungstechniken für die Vorbereitung und den „Ernstfall“
  • Gedankenstopp-Methoden erlernen, um negative Denkspiralen zu durchbrechen
  • Information über Sicherheitsvorkehrungen und die technische Ausrüstung moderner Flugzeuge

Je nach Ausmaß der Angst können auch Hypnose oder Flüge mit professioneller Begleitung (Konfrontationsbehandlung) geeignet sein, um die Flugangst zu reduzieren.

Denken Sie bitte auch an die Möglichkeit, bei Anreise mit dem Auto zum Flughafen einen Parkplatz mit anschließendem Shuttle zum Terminal zu buchen – eine gute Reiseplanung kann Stress reduzieren. So z.B. beim Parken nähe Flughafen Köln, wo auch Seminare angeboten werden!

Parken am Flughafen, Flughafenparken

Fazit

Flugangst hat eine schlechte und eine gute Seite: Die Schlechte ist, dass es sich dabei um eine „erworbene“ Reaktion handelt. Doch das ist gleichzeitig auch das Gute daran: Denn Erworbenes kann wieder verlernt werden. Deswegen lautet das wirkungsvollste Rezept gegen Flugangst ganz einfach Fliegen: Wer Flüge nicht vermeidet und sich aktiv mit seinen Ängsten auseinander setzt, reduziert seine Ängste meist schnell. Und ohne die körperliche und seelische Belastung durch Flugangst werden entspannte Reisen schließlich möglich.

Kategorie des Beitrags: Flugplanung, Veröffentlicht von: Ralf Zmölnig

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